Von Schwanz, Scham und Ohrenschlüppern

2012-11-11 12.13.16

Ich beschäftige mich beruflich viel mit Sexualität und Körperthemen und der mal mehr und leider meistens weniger gesunden Beziehung, die die Menschen, welche zu mir kommen und meine Arbeit für sich nutzen, so dazu haben. Und mache mir so meine Gedanken. Ich finde es äußerst spannend Dinge neugierig zu hinterfragen und auch mal anders herum zu denken oder auch anders zu machen, als man Dinge üblicherweise macht. Nur so zum Spaß. Und als Mittel gegen Langeweile. Ich gehe nie zweimal am Tag denselben Weg zur Arbeit oder nach Hause. Ich laufe lieber Umwege, um Abwechslung zu haben. Ich mag Langeweile nämlich überhaupt nicht. Daher habe ich frühzeitig angefangen mich immer zu beschäftigen. Mittlerweile bin ich so gut darin, dass ich egal wo ich bin immer was zu tun habe. Atmen zum Beispiel. Atmen kann ich immer. Atmen ist eine Beschäftigung die mir viel Freude bereitet, weil wenn man sich die Zeit nimmt genau hin zu spüren, wirklich ehrlich kein Atemzug dem nächsten gleicht und somit nie Langeweile aufkommt.

Aber ich schweife ab. Was ich auch mag, sind Sachen aussprechen, die sonst keiner ausspricht. Das liegt zum einen daran, dass ich Offenheit und Ehrlichkeit sehr schätze und zum anderen ist es ungemein spannend, wenn man vermeintlich provozierende Gedanken zu tabuisierten Themen ausspricht. Und beim Thema Sex und Körper gibt es jede Menge Sachen, über die man eher nicht offen spricht. Insofern ist das ein spannendes Arbeits-und Beschäftigungsfeld und das ist großartig und bereitet mir viel Freude.

Gestern kam ich ins Gespräch mit einer sehr sympathischen Frau und nach einigen Schnack hin und Schnack her fragte sie interessiert, was ich beruflich so mache und ich habe ihr erzählt, dass ich so dies und das mache und Menschen coache zu verschiedenen Themen und gerne schreibe und einen eigenen Laden mit drei anderen herrlich verrückten Leuten hab und dass ich gerne Workshops gebe und mich viel mit Berührungskunst und Sexualität beschäftige und Menschen dabei unterstütze sich damit zu beschäftigen und dass ich gerne Tantramassagen gebe. Ich konnte während ich so vor mich hin laberte, an ihrem Gesicht ablesen, dass sie das alles offensichtlich interessant fand und wohlwollend nickend aufnahm. Bis zu dem Wort Tantramassage. Da spürte und sah ich Irritation bis Unwohlsein in ihrem Gesicht. Gefühlt rückte sie auch ein Stück von mir weg. Das fand ich nun wiederum spannend und fragte sie geradeheraus, ob sie wissen würde, was eine Tantramassage ist. Dem war nicht so. Sie hatte nur Ungenaues davon gehört. Ich will das Gespräch jetzt hier gar nicht so detailliert wiedergeben, weil davon die Welt nicht interessanter wird. Nur so viel…freudige Aussagen meinerseits wie: „es ist so berührend, wenn ein Mensch tief seufzt, bei sich ankommt und die Freuden seines Körpers fühlt“ und „ich mag es auch so gern nackt zu arbeiten“ und „so schön, wenn der Mensch danach mit leuchtenden Augen entspannt aus dem Zauberwald wieder diese Welt betritt“ kamen beim Gegenüber irgendwie nicht an. Das Einzige was sie mich flüsternd stockend und zutiefst irritiert fragte war:“Nackt? Und der ganze Körper? Auch bei Männern?“ „Ja. Nackt. Und auch bei Männern. Und ja. Mit Schwanz und allem drum und dran.“

Das musste die Süße dann erstmal verdauen. Und ich kann das ehrlich verstehen. Es ist nicht das erste Mal, dass meine Offenheit Menschen verstört.

Diese Reaktion erlebe ich oft. Manchmal versteckt. Manchmal sehr deutlich. Und das ist vollkommen ok.

Jeder Mensch, der Sachen über einen anderen oder über Dinge denken möchte, soll das bitte tun und sich eine Meinung bilden mit der er gut oder schlecht leben kann und möchte. Ich bin nicht hier auf dieser Welt, um Leuten irgendwelche Auffassungen zu verkaufen, die sie nicht selber für sich durchdacht und als gut befunden haben. Ich halte nix davon, was manchmal in Büchern steht, dass man vollkommen urteils-und wertfrei durch die Gegend laufen soll und bitte nix auch nur annähernd irgendwie finden darf. Ich finde finden toll! Und toll finde ich, wenn ich das, was ich da so finde hinterfrage, warum ich das so finde. Das lehrt mich meisterhaft wer ich bin. Und noch toller finde ich, was passiert, wenn ich an meinen guten Tagen ganz intensiv finde, dass Menschen bedingungslos liebenswert sind mit all ihren kleinen und großen Beklopptheiten. An weniger guten Tagen finde ich ganz viel und ganz viele Menschen richtig richtig intensiv bescheuert, aber der Gerechtigkeit halber mich selbst dann auch am meisten. Dafür zu sorgen, dass ich möglichst viele von diesen guten Tagen habe, finde ich findens-und erstrebenswert. Und jetzt finde ich, dass ich abschweife…

Die interessante Frage bei dem Thema Scham zu Sexualität, dem was jeder so zwischen den Beinen hat und allem was da so dazugehört ist für mich:

Warum eigentlich ist das so?

Darüber habe ich lange nachgedacht und natürlich fallen mir sofort viele Gründe ein. Folgendes Gedankenexperiment zeigt nicht alles aber doch vieles was da als interessantes und Puh! nicht gerade kleines Erbe unser aller Herausforderung ist…

Stelle Dir Folgendes vor:

Ab heute ist Penis und Vagina nicht mehr Penis und Vagina, sondern sagen wir mal das linke Ohr.

Ja. Das ist witzig.

Also. Ab heute fängt irgendeiner an zu verbreiten, dass das linke Ohr zu bedecken sei. Weil das nicht jeder sehen soll. Das ist was Intimes und gehört angezogen. Nicht nur wenn es schweinekalt ist und Sinn macht, sondern immer. Der Mensch, der das verbreitet, hat eine immense Ausstrahlung und gute Kontakte zu allen möglichen und unmöglichen Medien. Die Idee verbreitet sich. Immer mehr Menschen fangen an ihr linkes Ohr zu bedecken, weil das macht man jetzt so. Menschen, die die Idee rundweg bescheuert finden auf einmal ihr linkes Ohr zu bedecken, werden immer öfter komisch angeschaut und irgendwann auch ganz offen angefeindet, weil sie sich nicht an die Regeln halten. Bücher werden geschrieben, in denen in langen möglichst intellektuell und wissenschaftlich-fundiert oder auch religiös-fundamentalistischen Texten steht, warum Menschen ihr linkes Ohr zu bedecken haben. Und sie werden gelesen.

Mehr Menschen folgen der Idee. Erste Ohrschlüpperhersteller folgen. Werbung mit verschiedenen Modellen und reger Absatz folgen. Kinder werden geboren. Eltern bringen ihren Kindern verantwortungsbewusst bei, dass man „da“ nicht anfasst. Und das man „das“ nicht entblösst, schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Das gehört sich nicht. Warum sich das nicht gehört, wird nicht erklärt. Ist halt so. Linke Ohren sind natürlich bei aller Bedeckung immer noch Teile von menschlichen Körpern und haben Gefühle. Es ist angenehm sich das Ohr zu kratzen, sich dort zu kraulen und auch mal mit dem Finger in den Gehörgang zu gehen. Das macht man aber bitte nicht. Auch wenn’s schön ist. Weil das gehört sich nicht. Und wenn dann nur im Dunkeln und wenn man ganz allein ist, aber eigentlich auch dann nicht. Es gibt eine Ausnahme. Der Ehepartner und nur der darf das linke Ohr kraulen. Der wiederum darf sein eigenes nicht kraulen, beide haben also wenig Kraulerfahrung und keiner bringt es ihnen bei, denn darüber redet man nicht. Unbeholfen piksen sich beide im Dunkeln an den jeweiligen linken Ohren rum und so richtig Spaß hat keiner daran, was gut ist, denn Spaß soll es eigentlich auch nicht machen. Es ist mittlerweile Gesetz, dass man sein linkes Ohr nicht in der Öffentlichkeit zeigen darf. Und wer sich nicht daran hält, wird inhaftiert und umerzogen für das Wohle aller.

Ein paar Jahrhunderte später gibt es nur noch Menschen, die in dem Bewusstsein aufgewachsen sind, dass das linke Ohr ordentlich bedeckt und wenn überhaupt im Dunkeln heimlich anzufassen ist. Aber nur, wenn man danach ein ordentlich schlechtes Gewissen hat. Weil das gehört sich nämlich nicht. Den Ohren geht es unter den Ohrschlüppern je nach Wetterlage mal mehr und meistens weniger prächtig. Es reibt, das Ohr bekommt keine Sonne, wird blass und teigig, taub und picklig, fühlt sich insgesamt eher wenig beachtet und ungeliebt und entscheidet sich krank zu werden, um wenigstens etwas Aufmerksamkeit zu bekommen. LinksOhrÄrzte treten auf den Plan. Alle sind begeistert und gehen fleißig alle halbe Jahre zum LinksOhrArzt und lassen sich kurz, da sich das ja nicht gehört, aber beim LinksOhrArzt ausnahmsweise korrekt ist, unter den Ohrschlüpper schauen, damit der  Arzt dann seines gewichtigen Amtes verfährt.

Pillen, Cremes und Salben kommen auf den Markt mit entsprechender Werbung und regem Absatz. Die Ohrschlüpperhersteller sind mittlerweile eine Riesenbranche und alle daran Beteiligten freuen sich immens über das so gute und so sinnvolle Geschäft. Denn es gehört sich ja so und unterstützt die gesellschaftlichen Werte.

Immer mehr Menschen entwickeln unter all dem moralisch korrekten Verhalten merkwürdige Begierden und Sehnsüchte. Sie wollen ihr linkes Ohr anschauen. Man stelle sich vor! Ungehöriges schweinisches Dreckspack!

Manche wollen es kraulen oder sogar, dass es von einem anderen ganz oft gekrault wird, der nicht der Ehepartner ist! Geht gar nicht.

Menschen in ärmlichen Verhältnissen bieten sich gegen Geld zum LinksOhrKraulen an und werden natürlich von der Gesellschaft ordentlich verachtet und verstoßen, weil sowas gehört sich einfach nicht. Die Begierden und geheimen Sehnsüchte werden jedoch immer stärker und sinnflutartig nimmt die Zahl der Menschen zu, welche diese Dienste heimlich in schmuddeligen LinksOhrKraulEcken in Anspruch nehmen. Wenn das bekannt wird, verlieren sie manchmal nicht nur ihren guten Ruf, sondern alles andere auch. Und sie sind herrlich erpressbar mit ihrem ganzen versauten LinksOhrKraulBedarf.

Eine neue, jedoch illegale, aber umso lukrativere Branche ist geboren. LinksOhrProstitution. Es gibt Dealer mit Schmuddel-Bildern von unbedeckten linken Ohren, Zuhälter und LinksOhrKraulBordelle und Menschenhändler, die junge Leute aus allen Ecken der Welt, denen der Geldsegen leider nicht zuteil wurde in die Prostitution versklaven. Diese Prostituierten haben keine Chance sich daraus jemals zu befreien, weil einmal gefallen ist immer gefallen. Ist halt so. Die Kunden haben ein schlechtes Gewissen und bezahlen viel viel Geld, weil sie nicht wissen wohin mit ihren ungeliebten und unbefriedigten linken Ohren. Immer mehr Fälle werden bekannt, wo Menschen andere gegen ihren Willen zwingen, das linke Ohr zu kraulen und das auch mit Gewalt und unglaublich viel Leid. Sogar und besonders häufig an Kindern und innerhalb von Familien.

Die Gesellschaft ist nicht glücklich aber moralisch hochkorrekt. Na zumindest von außen betrachtet.

Manche Menschen erlauben sich noch nicht mal Sehnsüchte und heimliche Begierden zu entwickeln, sondern unterdrücken auch diese so weit, dass sie depressiv werden. Was nicht schön, aber andererseits auch irgendwie fantastisch ist, denn das Problem erkannt, das Symptom gebannt, werden Antidepressiva, lustige bunte Pillen, legal und mit hervorragenden Verkaufszahlen entwickelt und für die etwas weniger angepassten im System allerlei Drogen, nicht legal, aber ebenfalls mit wundervollen Umsätzen, um das eigene Unglück zumindest zeitweilig zu ertragen.

Ein paar Jahre später ist der Mensch, der die Idee als erster hatte schon so lange tot, dass niemand mehr weiß, wer das Genie eigentlich war. Die Gesellschaft hat sich entwickelt. Neue Ideen wurden geboren und mal mehr und mal weniger verbreitet. Linke Ohren müssen immer noch strikt bedeckt werden, bis auf einige wenige kurz aufflackernde Gegenbewegungen. Aber das mit dem Kraulen ist nun tatsächlich etwas lockerer. Hallelujah! Na zumindest in manchen, na in einigen, na in wenigen Ländern und da auch nur manchmal in Städten oder Teilen von Städten oder sagen wir für manche äh einige wenige Teile der Weltbevölkerung.

Da seit mittlerweile tausenden von Jahren aber keiner mehr so richtig weiß, wie so ein linkes Ohr anständig gekrault wird, herrscht große Unwissenheit und Unsicherheit auf dem ganzen Gebiet. Die LinksOhrProstitution, das FremdGekraule, die LinksOhrVergewaltigungen, das eheliche Rumgepickse, die ganzen Pillen, die vielen Generationen von ungeliebten und unbefriedigten kranken linken Ohren, eben die ganze lange und doch eher unglückliche aber dafür moralisch korrekte LinksOhrGeschichte lastet auf der Menschheit.

Nun, da endlich gedurft werden darf, muss es aber ganz ganz extraklasse und wundervoll sein. Und wieder sind gleich mehrere Branchen geboren inklusive LinksOhrSchönheits-Chirurgen, für das ästhetisch korrekte oder leistungsfähige linke Ohr in der richtigen Größe, Läden voller Zeug für Spaß mit dem linken Ohr und einer wundervoll florierenden LinksOhrPornoindustrie. Tonnenweise Ratgeberbücher, die ganze wunderschöne aber leider künstliche, weil nicht reale Welt von Film und Fernsehen und unglaublich inhaltslosem LinksOhrKraulUnterricht in der Schule sind eventuell nicht besonders hilfreich, um der langen langen langen LinksOhrGeschichte ein glückliches, glückliches Ende zu bescheren…

Wenn ich mir das auf der Zunge zergehen lasse, dann bin ich zutiefst dankbar und glücklich, dass ich in einer Zeit und in einem Teil der Welt lebe, wo ich provokative und mitunter irritierende Offenheit an den Tag und in meine Worte legen darf.

Ich liebe mein linkes Ohr und meine Vagina und meinen restlichen Körper und ich möchte niemals! das mir irgendein Genie, Ausstrahlung hin oder her, erzählt was ich damit darf und was nicht. Und das wünsche ich mir für jeden Menschen. Ich wünsche mir, dass jeder einen natürlichen liebevollen Zugang zum eigenen Körper, zur eigenen Sexualität und damit zum eigenen Wohlsein erleben darf.

Und ich wünsche mir, dass die Geschichte ein glückliches Ende findet…

 

In Liebe,

Katja Wolf

Wer mehr zu meiner Arbeit erfahren möchte, schaut gern auf meine Webseite:

www.tantrahealingberlin.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gold im Schoß


  

Ihr Kopf liegt auf meinem Schoß.

Ich sehe nur ihren Hinterkopf. Und Haare. Lange wilde dichte Haare.
Die Sonne scheint durch das Fenster und erhellt Kaskaden von gesponnenem Gold auf meinem Schoß. Kein Ton gleicht dem nächsten. 

Es gibt Weißgold…so hell wie Sonnenstrahlen. Warme rotgoldene Strähnen. Ein Meer aus glitzernden tanzenden Fasern. Verschlungene Wellen und Täler, die sich im Schatten verstecken.
Ein vollkommenes
 Meisterwerk. 

Sie schaut Ihre Serie und kichert zwischendurch immer wieder. Ich kann es nicht hören, da ich meine Musik auf den Ohren habe. Aber ich fühle die Vibrationen und weiß, wie entzückend ihr Kichern ist. 

Ich muss lächeln.

Während sie schaut und kichert, streichelt sie die Katze mal mehr und mal weniger ambitioniert. Es wirkt ein wenig so als würde ihre Hand von der Katze gestreichelt und nicht andersherum. Dabei wippt sie immer wieder mit ihrem Fuß in der Luft. Dann zappeln ihre Finger und spielen mit dem Band an ihrem Shirt. 
Sie kann nicht stillhalten. Das konnte sie noch nie. Selbst wenn sie entspannt, selbst wenn sie schläft, wirbelt sie noch hin und her. Sie ist so voller Energie. Es ist auf der Haut spürbar, wenn sie den Raum betritt. 

Gott…wie liebe ich dieses Kind. Danke für diese Tochter. Danke für das Glück hier mit ihr liegen zu dürfen während die Sonne auf uns durch das Fenster scheint. 


In Liebe,

Katja Wolf

Wer mehr zu meiner Arbeit erfahren möchte, schaut gern auf meine Webseite:

www.tantrahealingberlin.de

by Anastasia Knackbusch

Die Sache mit der Ehrlichkeit

In meiner Kindheit wurde mir beigebracht, dass Lügen eine schlimme, schlimme Sache sind.

Das leuchtete mir damals ein und tut es auch noch heute.

Nur mit der Konsequenz der Erkenntnis und der daraus folgenden unvermeidlichen Schlussfolgerung habe ich so meine Probleme. Wenn man nicht lügen soll, heißt das im Umkehrschluss, dass man ehrlich sein soll. Könnte man meinen. Das habe ich mein Leben lang angenommen. Aber so einfach verhält sich die Sache mitnichten.

Auch wenn viele, viele Menschen, eigentlich alle, denen ich bereits begegnen durfte, Ehrlichkeit zu den sehr wichtigen Werten im Leben zählen, so sagen viele zwar Ehrlichkeit, meinen aber sehr oft etwas Gänzlich anderes.

Das war mir persönlich lange Zeit nicht ganz klar. Und ich konnte sehr interessante Beobachtungen zum Thema Ehrlichkeit machen. Das Leben als ehrlicher Mensch bürgt deutliche Tücken und Fallstricke in sich.

Es fängt bereits bei der oft und gern gestellten Frage an, die eigentlich gar keine ist, sondern sich nur als solche tarnt und einen ehrlichen Menschen schon beim morgendlichen Erstkontakt zum Mitmenschen ordentlich ins Schwitzen bringen kann.

„Wie geht´s?“

Nun. Der ehrliche Mensch würde vielleicht sagen:“ Also gerade kotzt mich das Leben ganz schön an. Mein Job ist sinnentleert, ethisch nicht vertretbar und stinklangweilig, aber ich traue mich einfach nicht, etwas zu wagen, was meinen eigentlichen Fähigkeiten entspricht, weil ich mich insgeheim immer noch der Prägung meiner Eltern unterwerfe, die der Meinung sind, ein sicherer Job ist wichtiger als Spaß und Erfüllung. Beide sind selbst so unglücklich in ihren Berufen, dass der eine bald mehr Pillen schluckt, als er verkauft und die andere nur noch schimpft und die Rente herbeisehnt. Ich hoffe sehr, dass ich es bald schaffe, mich aus diesen Bildern zu befreien, gerade habe ich aber große Zweifel, ob mir das jemals gelingt. Und bei Dir?“

Hierbei würde der ehrliche Mensch keinen Unterschied machen, ob der Fragesteller die beste Freundin, der Zeitungsverkäufer oder der eigene Chef ist, was je nach Konstellation mehr oder weniger zu Schwierigkeiten führen könnte. Nun könnte man meinen, dass das am gewichtigen und nicht so fröhlich anmutenden Inhalt der Antwort liegt. Man macht sein Gegenüber betroffen, die meisten Menschen fühlen sich ja doch irgendwie wohler, wenn alles schön ist. Könnte man meinen…

Aber auch: „ Mir geht´s großartig! Ich hatte gestern viereinhalb Stunden lang unglaublichen Sex. Ich wurde noch nie so liebevoll und einfühlsam und fantastisch gevögelt. Mein Becken ist ganz weich und vibriert immer noch und ich bekomme das glückselige Grinsen einfach nicht mehr aus dem Gesicht! Es erfüllt mich mit tiefer Dankbarkeit, dass das Leben solche Wunder bereithält.“ führt nicht unbedingt immer dazu, dass das Gegenüber sich sichtlich wohl fühlt mit der Antwort.

Ein anderes Beispiel aus meinen Beobachtungen…ein dreiundfünfzigjähriger Mann, der nach Erhalt diverser Bypässe an seinen Herzkranzgefäßen zur Rekonvaleszenz auf der Intensivstation liegt und anstatt sich darüber zu freuen, dass die Operation sehr gut verlaufen ist, daliegt und fragt, warum ihm so viel Unglück geschieht und wie er den Arbeitsausfall jemals wieder aufholen soll.

Dieser Mann würde die Frage, ob Ehrlichkeit eine wichtige Eigenschaft im menschlichen Wertesystem darstellt, mit Sicherheit bejahen. Wenn man ihm nun ehrlich sagt, dass seine derzeitige Lage kein Unglück ist, sondern vielmehr eine Chance darstellt. Er hat sich vermutlich in seinem bisherigen Leben vielleicht aus falsch verstandenem Verantwortungsbewusstsein, welches ihm von seinen Eltern als prickelndes Erbe in die Wiege gelegt wurde oder vielleicht aus einem immensen Geltungsbedürfnis heraus, welches zur Überdeckung einer unterentwickelten Selbstliebe dient, sehr viel mehr um seine Karriere als um sein Herz gekümmert und mit dieser Wahl scheint ebenjenes nicht ganz einverstanden zu sein. Nun könne er seinen Kurs ein wenig korrigieren und zum Beispiel mehr Zeit investieren, um mit den Menschen zusammen sein, die er liebt und vor allem mehr Energie darauf verwenden sich selbst zu lieben anstatt von anderen im Beruf, wenn schon nicht geliebt und bewundert so doch zumindest beneidet und gefürchtet zu werden. Das würde sein Herz sicher sehr erfreuen. Diese Ehrlichkeit verwirrt den Mann aber und beleidigt ihn sogar. Er fühlt sich falsch verstanden und möchte sehr viel lieber, dass man ihm stundenlang zuhört, während er von seinen Erfolgen im Beruf erzählt, womit weder seinem Herzen noch der Ehrlichkeit gedient ist.

Es ist allgemein üblich und wird sogar als angemessen angesehen, dass wenn man Kinder in die Welt setzt, ihnen früher oder später beibringt, dass Ehrlichkeit wichtig ist. Wenn man aber seinem dreizehnjährigen Sohn erzählt, dass man früher und ab und zu auch heute noch diverse Drogenerfahrungen mit Alkohol, Zigaretten und Marihuana machen durfte und darf und man davon ausgeht, dass der Sohn ebenfalls früher oder später seine Erfahrungen machen wird und soll, weil man sicher ist, das der eigene Sohn ein Mensch ist, welcher ein gutes Urteilsvermögen und ein deutliches Maß an Selbsterhaltungstrieb besitzt und insgesamt eher pro Leben und kontra Suizid eingestellt ist, dann sollte man darauf achten, mit dem Gespräch zu warten bis man aus der U-Bahn raus ist. Die Umwelt verträgt nur ein gewisses Maß an Ehrlichkeit.

Ebenso kann man interessante Reaktionen erfahren, wenn man der Schwiegermutter auf die Frage, warum der Sohn ebenjener sich nie von allein meldet, antwortet, dass er das eventuell tun würde, wenn sie sich nicht in einer persistierenden Penetranz aufdrängen würde und vielleicht eher die Zeit und Energie nutzen sollte, um ein erfülltes und interessantes Leben zu führen und das die Annahme, nur weil sie Kinder und Enkelkinder hat, ebenjene dafür verantwortlich sind, ihrem Leben einen Sinn zu geben, nicht ganz richtig ist.

Insgesamt habe ich erfahren dürfen, dass Ehrlichkeit allen Menschen wichtig ist. Die Umsetzung aber oft schwer fällt. Da sie oft einhergeht mit Scham, Schmerz, verletztem Ego und der Konfrontation der eigenen Unzulänglichkeit.

Es ist überhaupt nicht leicht, der Frau, die man liebt, ehrlich zu sagen, dass es stimmt, das ihr Körper vor den drei Schwangerschaften und den viertel bis halben Kindern, die in Form von vermeintlich unschönen Rollen und Dellen an Bauch, Hüften und Oberschenkeln auch nach den Geburten haften geblieben sind, anders aussah. Es ist ja nicht so, als wüsste sie das nicht selbst. Aber mit der ausgesprochenen Ehrlichkeit hat sie die Möglichkeit zu erkennen, dass ihr Mann sie trotzdem inniglich liebt und diese Liebe wird vielleicht über kurz oder lang dazu führen, dass sie ebenfalls Liebe für die Rollen und Dellen empfinden kann und diese durch die Macht der Liebe vielleicht sogar ein wenig dahinschmelzen.

Es ist wahnsinnig unangenehm von einem guten Freund darauf hingewiesen zu werden, dass man dauerhaft üblen Mundgeruch hat. Aber nach dem Schmerz und der Peinlichkeit, der Investition in eine gründliche Zahnreinigung und dem Weglassen von neun Tassen Kaffee am Tag und der wiedergewonnenen Freude am Wasser trinken, ist das Problem behoben und man muss keine Energie mehr darauf verschwenden, sich zu fragen, warum die Mitmenschen die direkte Kommunikation vermeiden, obwohl man weiß, dass man doch eigentlich ein interessanter Gesprächspartner ist.

An Tagen, an denen man sich selbst und die Welt nicht so richtig gern hat, die aber nun mal bei uns allen vorkommen, wo die Haare furchtbar aussehen und jeder Versuch der Verbesserung das Ergebnis nur verschlimmert, die S-Bahn vor der Nase weg fährt, nur damit die nächste extra dicht gedrängt ist und der Morgenkaffee die Vorderseite des T-Shirts nicht verschönert anstatt die Synapsen auf Trapp zu bringen und die Wände im Büro immer näher kommen und sich zu den unerledigten Stapeln der noch zu erbringenden Aufgaben kuscheln, das Telefon dauerbimmelt mit ausschließlich unfreundlichen Menschen mit nervigen Stimmen im Obertonbereich, an solchen Tagen ist man mitunter geneigt sich wie ein Arsch aufzuführen. Die Kinder mehr oder weniger grundlos anzuschnauzen, die Freundin nervig zu finden oder den Geliebten anzuschreien, weil er die Wichtigkeit von Butter und Käse im Kühlschrank maßlos unterschätzt hat. An solchen Tagen wünsche ich mir Ehrlichkeit. Ich wünsche mir, dass mich jemand fragt: “Wie geht´s?“ und es auch wirklich hören möchte und mit mir darüber lacht, wie unerfreulich und nervig und anstrengend das Leben manchmal sein kann. Ich wünsche mir, dass meine Kinder immer den Mut haben mir zu sagen, wenn ich mich wie eine gestresste abgehalfterte Kuh benehme. Ich wünsche mir, dass meine Freunde mich auf meine Fehler hinweisen, auch wenn ich nicht erfreut bin, überhaupt welche zu machen. Ich wünsche mir, dass Männer mir bereits beim ersten Gespräch ehrlich sagen: „Hey! Du bist eine tolle Frau und ja ich hätte liebend gern hemmungslosen wilden Sex mit Dir und vielleicht möchte ich mich auch gern öfter mit Dir unterhalten und Dich kennen und lieben lernen. Aber ich habe bereits eine Frau mit der ich mal mehr und mal weniger hemmungslosen wilden Sex habe und die ich kenne und liebe. Wollen wir uns trotzdem einfach weiter unterhalten, ohne dass ich mein Ego aufwerte, indem ich mich kurz der Illusion hingebe, ich hätte keine anderweitigen Verpflichtungen, um meine und Deine Zeit mit der Vorgabe nicht korrekter Tatsachen zu verplempern, sondern wir zwei einfach das nette Gespräch genießen und uns daran erfreuen als Wildfremde so viel Spaß zu haben?“

Ehrlichkeit ist bestimmt nicht immer einfach, meistens eher nicht. Aber ich finde, sie macht das Leben spannend. Und ich lerne sehr viel mehr, wenn Menschen schonungslos ehrlich zu mir sind. Ich habe große Lust auf mehr davon. Traut Euch bitte! Erzählt von Euren schlimmsten Tagen und dem besten Sex, den Peinlichkeiten und von Euren Fehlern und Ängsten, von den himmeljauchzenden Momenten und den sich endlos anfühlenden Talfahrten der eigenen Unvollkommenheit. Es ist oft überraschend was passiert, wenn man sich öffnet und einfach alle vermeintlichen Fehler auf den Tisch packt, alle Monster demaskiert und nackt darbietet, nur um zu erkennen, dass wir alle Fehler machen, um aus ihnen lernen zu dürfen. Dafür sind wir hier. Jeder von uns hat seine eigenen Monster im Keller. Und wenn wir sie nicht länger verstecken, erkennen wir vielleicht, dass sie, erstmal aus dem dunklen Loch geholt und liebevoll im Tageslicht betrachtet, sogar ganz umgänglich sind, flauschig und kuschelig und das sie sich nichts sehnlicher wünschen, als mit uns über das Leben zu lachen und dabei zu tanzen.
In Liebe,

Katja Wolf

Wer mehr zu meiner Arbeit erfahren möchte, schaut gern auf meine Webseite:

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by Anastasia Knackbusch

Die Frau Sender´s dieser Stadt

Berlin ist meine Heimat.

Ich liebe diese Stadt und lebe schon meine ganzes Leben hier. Das ungläubige Staunen der Und-von-wo-kommst-Du-Fragenden belustigt mich oft. Manchmal kommt man sich als Berliner in Berlin vor wie ein Einhorn.

Ich habe in etlichen Stadtbezirken und zahlreichen aufstrebenden In-Vierteln und den Geheimtipp-Kiezen gelebt, die immer genau so lange angesagt sind, bis in einer Straße mehr als zwei Friseurläden auftauchen. Ab da ist es Zeit weiterzuziehen oder einen Fetisch für Touristenbusse und überteuerten Kaffee zu entwickeln.

Mittlerweile bin ich, so scheint es, angekommen. In meiner derzeitigen Wohnung lebe ich nun bereits seit sechs Jahren. Das ist meine persönliche Bestleistung. Und es ist vollkommen Kiezfrei in meiner Gegend. Meine Straße erscheint in keinem Tourismusführer und ich hoffe, dass bleibt noch eine Weile so. Versteht mich nicht falsch…Ich habe nichts gegen Menschen aus aller Welt. Im Gegenteil…Ich liebe das sehr an Berlin und genieße jegliche Vielfalt…das macht das Leben einfach spannend.

Was mich nur manchmal nachdenklich macht an den sogenannten Szene-Bezirken ist, dass sie genau das sind. Eine Szene. Ohne Frage spannend. Kreativ. Und mal mehr und mal weniger unterhaltsam. Doch irgendwie auch künstlich.

Wenn ich in meiner Straße unterwegs bin, sehe ich Menschen jeden Alters. Vom Säugling bis zum älteren Herrn mit Rollator.

Und gerade die Menschen ab siebzig aufwärts sind in manchen Gegenden noch seltener als Einhörner. Das finde ich schade.

In meinem Haus lebt unten im ersten Stock Frau Sender. Als ich dort eingezogen bin wurde ich von einer jungen Nachbarin hinter vorgehaltener Hand in leicht verächtlichem Ton vor Frau Sender gewarnt. Denn Frau Sender sendet. Der Name ist Programm. Wie viele ältere Menschen nutzt Frau Sender gern jede Gelegenheit um ein Schwätzchen zu halten. Und aufgrund der nett gemeinten Warnung meiner Nachbarin kam bei mir zu Anfang auch oft eine genervte Grundstimmung auf, wenn ich auf die Dame im Hausflur traf. Bis ich eines Tages auf Ihre spontane Einladung einging und ihre Wohnung betrat. Eigentlich war mir nicht danach und eigentlich wollte ich nur schnell mein Paket abholen und eigentlich hatte ich viele Dinge zu erledigen und war uneigentlich zu spät dran für all die Sachen, die noch meine Aufmerksamkeit verlangten.

Erstmal in ihrem Wohnzimmer sitzend ergab ich mich und ließ mich ein auf ihre Welt, die sich stark von meiner unterschied. Das ganze Wohnzimmer bestand aus Möbeln. Die riesige massive Schrankwand, die schweren Polstersessel, Teppiche, noch mehr Schränke, riesige schwere Regale, keine freie Wand und dazwischen Frau Sender, die während sie mir von einem soeben genossenen Fernseh-Beitrag über Jugendkriminalität berichtete, ihre Sachen auf dem Tisch neu arrangierte. Fernsehzeitung, Fernbedienung, Schachteln und Schächtelchen wurden geschäftig hin und her geschoben und neu am Rand des Tisches drapiert, als wollte sie ihnen mitteilen: Kinder, macht Platz! Wir haben Besuch!

Nötig war das nicht, denn wir brauchten den Platz ja nicht für ein spontanes Jenga-Spiel oder um eine Landkarte auszubreiten. Und dennoch berührte mich diese aufgeregte, wuselige Geste sehr.

Nachdem sich Frau Sender etwas beruhigt hatte und die Neuanordnung auch ihren Zuspruch erhielt, schaute ich sie an in ihrem Reich. Und Neugier erfasste mich.

Neugierde ist ehrlich gesagt etwas wovon ich viel, na noch ehrlicher, sehr viel besitze und das was mich sehr neugierig macht, was mich ungemein fasziniert, ist herauszufinden, was Menschen denen ich begegne Freude bringt, was sie interessiert, wofür sie manchmal sogar leidenschaftlich brennen, wo sie ihre Liebe hinrichten.

Also fragte ich Frau Sender, womit sie sich so beschäftigt und was ihr Freude macht.

Zuerst ein wenig irritiert, dann erfreut aber noch vorsichtig öffnete sie eine Tür ihrer Schrankwand und holte diverse Stoffe hervor, die sie unglaublich liebevoll bestickt hatte. Da waren Deckchen mit detaillierten floralen Mustern, Kissenbezüge und Babysachen mit Enten und Fröschen für ihre zahlreichen Enkel.

Während ich voller Begeisterung ihre Kunststücke bewunderte, bekam Frau Sender leicht rosa Wangen und leuchtende Augen und war so glücklich, dass ich ganz glücklich wurde. Wir saßen noch eine Weile und sie erzählte mir für wen sie was fertigte und was sie noch an Projekten plante und ich hörte ihr dabei zu.

Dann dankte ich ihr und verabschiedete mich, um nun entspannt mit meinem Paket in meine Wohnung zu gehen. Im Flurspiegel schaute ich in mein entspanntes Gesicht mit leuchtenden Augen und lächelte.
In Liebe,

Katja Wolf

Wer mehr zu meiner Arbeit erfahren möchte, schaut gern auf meine Webseite:

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by Anastasia Knackbusch

Dein Erster

Meine erste Begegnung mit dem Tod erinnere ich nicht mehr. Vermutlich eines unserer vielen, vielen Haustiere oder ein Vogel auf dem Wegrand…

Die eindrucksvollste Erinnerung habe ich vom ersten toten Menschen, dem ich begegnet bin. Ich war damals zarte siebzehn Jahre alt und hatte innerhalb meiner Ausbildung zur Krankenschwester meinen zweiten praktischen Einsatz auf einer Station der inneren Medizin.

In der Theorie wurde uns bereits vieles beigebracht. Für den praktischen Einsatz ist es gedacht, dass einer Schwesternschülerin eine erfahrene Schwester als Anleiterin und Mentorin zur Seite gestellt wird.

In der Realität war das selten bis nie der Fall. Die personelle Situation in den Krankenhäusern erlaubt diesen Luxus nicht. Oft herrscht aufgrund der enormen Belastung ein hoher Krankenstand und somit hieß es für mich, ins kalte Wasser springen, aufmerksam beobachten, nicht im Weg rumstehen und so schnell wie möglich schwimmen lernen. Gar nicht so einfach…

Meine erster Tag dort verlief furchtbar. Die erfahrenen Schwestern auf der Station waren gestresst, wuselten umher und ich kam mir hilflos vor, zu nichts zu gebrauchen und habe mich vor allem in den Gängen und Zimmern heillos verlaufen.

Ich habe eine ältere depressive Patientin zum Weinen gebracht, weil ich die Schüssel unterm Toilettensitz vergessen habe und danach das ganze Zimmer von der Entleerung ihres Darms reinigen durfte, während die Dame schluchzte und ich schwitzend Entschuldigungen stammelte. Beim Haare waschen einer bettlägerigen Patientin habe ich zwar das Bett unter Wasser gesetzt, aber das Shampoo nicht aus den Haaren bekommen, woraufhin die Schwestern nur noch genervt von meiner Unbeholfenheit waren und mir in eisigem Schweigen halfen, die Patientin neu zu betten.

Nach diesem Tag war ich am Ende. Der Geruch in den Fluren und Zimmern, die teilweise abgearbeiteten hartherzig anmutenden Schwestern, meine schmerzenden Füße und diese krasse Müdigkeit, die nur kennt, wer im Winter um vier aufstehen muss. Ich bin weinend zusammengebrochen und habe mich verzweifelt gefragt, was ich mir dabei gedacht habe diesen Beruf erlernen zu wollen.

Und doch gab es in den weiteren Tagen diese kostbaren Momente…eine ältere Dame, die mich anstrahlte, weil ich ihre Haare liebevoll frisiert habe. Mein erster Verband, der tatsächlich sauber angelegt an Ort und Stelle verblieb und das darauf folgende Lob einer Schwester. Eine Patientin, die nicht essen wollte und der ich solange irgendwelche albernen Geschichten erzählte, bis sie schmunzelte und mir endlich einen halben Teller Suppe abnahm.

An einem stressigen Frühdienst erhielt ich den Auftrag von einer der Schwestern, die gerade zum Zwischendienst kam, den Patienten in Zimmer soundso fertigzumachen, weil der es, wie sie sagte, geschafft habe.

Der gestresste Ton der Schwester verhinderte, dass ich Fragen stellte, was denn da genau zu tun war und so zog ich los und machte mir erstmal selbst ein Bild.

Der Patient lag allein in einem Ein-Bett-Zimmer und war tot. Ich wusste sofort, dass er nicht mehr lebte, ohne seinen Puls zu überprüfen. Ich war geschockt und gleichzeitig unendlich ruhig. Da lag ein Körper in diesem Bett und es war eine riesengroße Stille in dem Raum, die mich loslöste von allem Alltagsgeschehen. Es war alles still in mir und irgendwie auf eine komische unbekannte Art friedlich.

Ich bin nicht religiös erzogen worden und hatte mich zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben auch nicht sonderlich für Glaube, Spiritualität oder etwas in der Richtung interessiert. Und dennoch ging ich wie fremdgesteuert zum Fenster, öffnete es, ging zurück zum Bett und berührte den Herrn an der Hand. Ich wusste weder seinen Namen noch sonst etwas aus seinem Leben. Ich stand da und spürte einfach fasziniert in diesen Zustand der Stille. Wie unglaublich, dass dieser Mensch mal ein Kind war und vielleicht selbst Kinder hat. Er war auch mal siebzehn. Der Herr hat Kriege erlebt, bestimmt Menschen geliebt. Vielleicht war er witzig. Sein Gesicht mit dem weißen Bart sah sympathisch aus. Und nun war da nur noch dieser Körper.

Und diese würdevolle Stille.

Ich weiß nicht wie lange ich dort stand. Irgendwann kam eine Schwester herein, die sofort mit einem Blick die Situation erfasste, mich anschaute und feststellte:

Dein Erster.

Mehr sagte sie nicht. Sie holte eine Schüssel und Tücher und wir beide wuschen stillschweigend das letzte Mal diesen Körper.

Ich habe in den weiteren Jahren viele sterbende Menschen erlebt und viele tote Körper gewaschen. Später in meiner Zeit auf der Intensivstation habe ich sogar tote Menschen wieder zu den Lebenden begleitet mit meinen Händen, die ihr Herz massierten.

Es war oft sehr schwer diesen Beruf auszuüben und doch bereue ich nicht, diesen Weg gegangen zu sein. Denn ich kenne den Tod und er war ein guter Lehrer.

Ich weiß, dass wir auf nichts hier ein Geburtsrecht haben. Weder auf einen gesunden Körper. Ein langes Leben. Noch auf gesunde Kinder, welche uns überdauern. Das sind Geschenke und Gaben, die uns das Leben schenkt. Und wir bestimmen, was wir aus diesen Gaben machen.

Wir denken oft, wir hätten unendlich Zeit, dem ist nicht so. Der Tod kommt für jeden von uns. Dieser Kelch geht an keinem vorbei.

Ich habe Menschen erlebt, die so vieles bereut haben. Zu wenig Zeit mit den geliebten Menschen. Zu viele verpasste Gelegenheit. Streitigkeiten, die im Angesicht des Todes einfach nur lächerlich sind. Und ich habe Menschen erlebt, die lächelnd gestorben sind. Das waren leider nicht viele.

Keiner dieser Sterbenden hat mir von seinem Kontostand vorgeschwärmt. Nicht einer hat mir von seiner schicken Wohnung oder dem Auto erzählt. Niemand hat mir seine Urkunden und Medaillen gezeigt.

Die Katze. Sonnenaufgang im Garten. Der Enkelsohn. Der Geliebte. Apfelkuchen mit Krumpeln. Die geliebte Frau, deren Lächeln einzigartig ist.

Der Tod ist in unserer Kultur oft mit Ängsten belegt. In meinen Augen ist er ein Geschenk. Er erinnert mich daran, wie kostbar mein Leben ist. Ich stelle mir oft vor, wie es wäre, wenn meine Kinder sterben. Mein Handy klingelt und eine Stimme sagt mir, dass es einen Unfall gab. Und ich spüre in den wahnsinnigen Schmerz in meinem Herzen, spüre den heftigen Druck auf meiner Brust und Tränen schießen mir in die Augen. Es nimmt mir den Atem. Ich gehe in dieses Gefühl so kurz bis ich es nicht mehr aushalte und hole dann tief Luft. Und mache mir klar. Ich lebe. Meine Kinder leben. Und weite das aus auf alle Menschen, die ich liebe. Und darüber hinaus auf den Wind, den ich spüre. Den Himmel, den ich sehe. Meine süßen Katzen. Der Geschmack von Avocado mit einem Spritzer Zitrone. Musik, die meinen Körper durchströmt. Ich wackle mit den Zehen und Dankbarkeit durchströmt mich.

So viel Liebe. So viel Leben. Ich bin reich beschenkt.

Der Tod ist nicht wirklich das, was uns Angst macht. Es ist das nicht gelebte Leben.

In Liebe,

Katja Wolf

Wer mehr zu meiner Arbeit erfahren möchte, schaut gern auf meine Webseite:

www.tantrahealingberlin.de

Sex

TittenannaBusse

Unsere Welt ist voll von Sex. Überall wo ich gehe und stehe werde ich mit diesem Thema konfrontiert. Brüste an der Bushaltestelle, nackte Haut an der Ampel und jedes zweite Frauengesicht auf den mich anbrüllenden Plakaten in dieser Stadt sieht aus, als würde die Dame mich in Ihr Bett und zwischen Ihre Beine einladen.

Sex sells. Klar. Das ist nichts Neues…

Doch wieso eigentlich?

Weil Sex wundervoll ist. Weil Sex Magie ist, uns befüllt und Stunden, manchmal Tage später noch lächeln lässt. Weil Sex ein pures Ja! zum Leben ist. Weil Sex unsere Zellen vibrieren und jubeln lässt. Weil wir geboren wurden, um Sex zu haben. Weil Sex heilig ist. Ein Geschenk, welches jeder Einzelne von uns in sich trägt.

Und jeder Mensch weiß irgendwo tief in sich, dass dieses Geschenk existiert.

Oft hat uns nur niemand beigebracht, wo genau es zu finden ist oder der Weg ist verschüttet durch anerzogene falsche Scham, Ängste, unterentwickelte Selbstliebe, ein gestörtes Gefühl für den eigenen Körper oder traumatische Erfahrungen.

Nur fraglich ist, ob wir diesem Vermächtnis näher kommen, wenn wir uns abhetzen, um zu leisten und noch mehr und mehr zu leisten, damit wir irgendwann das Auto kaufen können, an dem die Frau auf dem Plakat lasziv lehnt, in der Hoffnung, dass sie uns dann zwischen ihre Beine lässt…

Oder gegen unseren Körper kämpfen, Tag für Tag, damit er dem Körper der Frau auf dem Plakat ein wenig mehr gleicht…

Die Werbung mit Sex hätte nicht so viel Macht, wenn wir dieses Geschenk leben würden. Wenn wir diesen Schatz in uns bergen und den Sex von den Plakaten nach Hause holen in unsere Körper, dort wo er hingehört.

Welche Frau würde auch nur einen Gedanken an Ihre Kleidergröße oder die Form ihres Busens oder der Nase verschwenden, wenn sie ihr weiches volles Becken spürt, ihre Vagina lebendig voller Lebenslust vibriert und ihre Brüste sich gemeinsam mit ihrem wundervollen Herzen vertrauensvoll der Welt entgegenstrecken, weich gestreichelt von liebevollen Händen?

Welcher Mann würde auch nur daran denken eine Waffe auf einen anderen zu richten, wenn er gerade eine Frau geliebt hat? So liebevoll geliebt, dass sie sich öffnet für ihn, ihre Mauern fallenlässt und seinen Penis und sein ganzes Ich willkommen heißt. Ihn freudig erwartend in sich aufnimmt und sich von seiner liebevollen Kraft führen lässt, bis beide eins sind?

In meiner Arbeit als Tantra-Masseurin begegnen mir Männer, die ihre Ehefrauen aufrichtig lieben und doch seit Monaten, manchmal Jahren keinen Sex hatten und so unglücklich darüber sind, dass sie weinen. Mir begegnen Männer, die Sex konsumieren, wie den Fraß von Mac Donald´s und sich wundern, warum sie dabei immer ausgehungerter und leerer werden. Ich erlebe junge Menschen, die der Pornoindustrie glauben und denken, dass dort gezeigte wäre Sex.

Ich erlebe abgehetzte Männer, die ihren Körper nicht fühlen können, weil sie nur in ihrem Kopf sind und ihren Listen zuhören, was es noch zu tun gibt, die unter langsamen Berührungen endlich wieder ihren Körper und seine Freuden spüren. Da sind Männer jeden Alters, die keine Berührung von liebevollen Frauen kennen und zunächst ängstlich steif daliegen, vollkommen verunsichert und sich kaum trauen zu atmen, abgeschnitten von ihrer männlichen Kraft und Energie. Männer, die zutiefst berührt sind, weil eine Frau ihren Penis einfach nur hält, die endlich wieder in ihren Körper atmen und seine Kraft spüren.

Und ich treffe auf Frauen, die zunächst angespannt und ängstlich sind und sich durch ein Meer von Tränen weinen, wenn sie zum erstenmal fühlen, wie eine liebevolle achtsame Hand einfach nur auf ihrer Vagina ruht, ohne zu wollen. Wie es sich anfühlt, wenn ihre Brüste nicht als Aufgeilmittel benutzt werden, sondern achtsam, sensibel und liebevoll getreichelt und verehrt werden als die Türen zum Herzen der Frau. Türen, die sich unter liebevollen Berührungen öffnen und den Weg frei machen zum Becken der Frau, dass sich voller Lust und Lebensfreude aufbäumt.

Unsere Körper sind wundervoll. Hör nicht hin, wenn die Plakate oder Dein Kopf Dir erzählen, dass Du nicht richtig bist. Atme. Atme tief. Und erfreue Dich an der Fülle in Dir. Streichle Dich so oft Du kannst. Liebevoll. Spüre Deine Muskeln, Deine Kraft. Erfreue Dich an Deiner Weichheit. Nimm Deine Schultern zurück. Spüre Dein wundervolles Herz. Erforsche wie Du berührt werden möchtest. Entdecke welche Freuden in Dir schlummern. Und dann sei mutig. Sei ehrlich. Sprich. Sag Deinem Mann, wie Du berührt werden möchtest. Noch besser, zeig es ihm, lehre ihn. Geduldig und voller Liebe. Halte Dich nicht zurück. Frag Deine Frau, was ihr wirklich Freude bereitet. Sag ehrlich, was Dir Angst macht. Hör auf damit, Dich zu fragen, wie Du aussiehst im Bett. Ob Dein Körper gefällt. Hab keine Angst, dass Du nicht manns genug bist. Du bist richtig. Du bist wundervoll. Du bist es wert zu lieben und geliebt zu werden. Erinnere Dich an das Geschenk und helft Euch gegenseitig beim Auspacken.

Stellt Euch eine Welt vor, in der Frauen voller Lebenslust Ihre Hüften beim Gehen bewegen und ihre entspannten wunderschönen Gesichter dem Himmel zeigen. In der Männer kraftvoll und aufrecht schreiten, sich ihrer wundervollen Männlichkeit bewusst sind und ihre Waffen niederlegen, weil Frieden in ihnen ist.

Das Leben ist ein Fest und jeder Mann und jede Frau ist eingeladen.

Also lasst uns tanzen…

In Liebe,

Katja Wolf

Wer mehr zu meiner Arbeit erfahren möchte, schaut gern auf meine Webseite:

www.tantrahealingberlin.de

by Anastasia Knackbusch

Das Leben ist Scheiße und Gott

Stell Dir vor, Du läufst an einem Frühlingstag in Deinem Kiez die Straße entlang. Deine Gedanken sind irgendwo gefangen. Im Gestern. Im Morgen. Nur nicht im Jetzt. Du läufst, ohne, dass Du bemerkst, wie hart und uneben und teilweise trotzdem glatt sich das Kopfsteinpflaster unter Deinen Schuhen anfühlt. Vermutlich weißt Du noch nicht mal welche Schuhe Du gerade anhast. Deine Schultern hängen nach vorne, Dein Blick sieht weder die Sonnenstrahlen noch das einzigartige Blau des Himmels, welches sich Dir so vollendet wie in diesem Moment nie wieder anbieten wird. Du grübelst, hörst den nervigen, plärrenden und sich immer und immer wiederholenden Stimmen in Deinem Kopf zu. Was noch zu tun ist. Was Du noch nicht geschafft hast. Schmiedest Pläne, setzt Dir Zeitlimits, von denen Du jetzt schon weißt, dass Du sie nicht einhalten wirst. Aber bis dahin, bis zu Deinem Scheitern werden die Stimmen Dich verhöhnen, und zeternd wie eine ungeliebte alte Vettel mit schriller Stimme von Deinem bevorstehendem Scheitern künden. Dein Atem ist flach, so flach, dass Du ihn gar nicht wahrnimmst.

Doch da! Etwas erregt Deine Aufmerksamkeit. In dem Straßencafé an dem Du gerade vorbei hastest sitzt eine Frau. Sie ist schön. Du weißt, spürst, dass sie schön ist, ohne die einzelnen Merkmale Ihres Körpers und ihres Gesichts zu scannen. Sie sitzt Dir zugewandt, entspannt, gelassen, weich…sie hat ihre Augen geschlossen und lässt die warmen Sonnenstrahlen ihre zarten Wangen küssen.

Dieser Anblick berührt Dich. Tief.

Leichtigkeit, Licht und Freude kommen in Dein Herz und lassen Deine Brust weit werden, lassen Dich Deine Lungen tief mit Deinem Atem füllen. Dein Bauch wird weich und gerade als ein entspanntes Lächeln um Einlass in Deinem Gesicht bittet, trittst Du in einen großen Haufen Hundescheiße.

Du kannst es nicht glauben, willst es nicht glauben, das kann nicht sein! Dein Herz rast. Du merkst, wie das Blut in Deinen Kopf steigt. Du willst flüchten, weg nur weg, fallen, in ein tiefes dunkles Loch, Dich auflösen, sterben. Alles, alles nur das nicht, das soll nicht Dir passieren. Deinetwegen irgendeinem anderen Trottel, nur Dir nicht. Du windest Dich innerlich und bückst Dich äußerlich, um den beschissenen Schuh anzusehen, reißt Dich zusammen um nicht laut aufzuheulen und die ganze Straße, ja die ganze Stadt niederzubrüllen, ob der Ungerechtigkeit des Seins. Du tust doch alles! Du strengst Dich doch an! Und für Deine Mühen und Deine Abrackerei erhältst Du einen Haufen Scheiße!

Aber Du erträgst auch das. Beherrschst Dich, ziehst Deine Eier wie kleine, verkümmerte ausgetrocknete Rosinen zusammen, Dein ganzer Körper wird eng und zieht sich zusammen, so sehr strengst Du Dich an, die Kontrolle zu bewahren. Während Du Dich bückst, bemerkst Du, dass an Deinem Schuh zu beiden Seiten Hundescheiße hervorquillt. Es ist so viel Scheiße, dass sie an den Rändern überquillt. Und es stinkt barbarisch!

Du willst Dich nur noch hinschmeißen und heulen. Du willst nicht mehr! Du kannst nicht mehr! Es ist zu viel! Aber Du hältst immer noch aus…

In der Hocke angekommen macht es Ratsch und die Hintern-Naht an der Hose, die schon seit Ewigkeiten stöhnt, wie eine alte leergevögelte Hure, hat nun ihren letzten Atemzug getan. Amen.

Ja. Du wolltest Dir eine neue kaufen. Das war auf der Liste, ist auf der Liste. Du hast es aufgeschoben und die hier ging ja noch. Und Du strengst Dich ja an! Du machst doch alles! Es ist nur zu viel!

Mit in die Luft gerecktem Hinterteil wird Dir klar, dass Du heute Morgen die alte, olle indiskutable, weil mintgrüne Unterhose mit den Feuerwehrautos angezogen hast, welche Dir Tante Edeltraut im Zustand seliger Demenz zu Deinem 18. geschenkt hat. Die letzten zehn Jahre haben das Stück eher nicht veredelt wie guten alten Wein.

Ja. Du wolltest die schon längst entsorgen. Das stand auf der Liste! Steht auf der Liste!

Ja. Du wolltest Wäsche waschen. Schon vor einer Woche. Das stand auf der Liste! Steht auf der Liste!

Du begreifst das alle, alle, das ganze Straßencafé, die Passanten, welche an Dir vorüberziehen und auch die Schöne, alle sehen die Feuerwehrautos im gräulich verwaschenen fusseligen Meer aus Mintgrün ihre Kreise der Hässlichkeit ziehen.

Und sie sehen nicht nur das. Sie sehen alles. Dein Scheitern. Deine Ziellosigkeit. Deine Unwürde. Deine Schwäche. Dein Nichtsnutz.

Dein schäbiges Kartenhaus aus Bequemlichkeit, sicherer Komfortzone und dem ewigen Verschieben auf Morgen, dem endlosen Listenverlängern, dem Selbsthass und der damit bestenfalls erreichten Mittelmäßigkeit Deines Lebens fällt in sich zusammen. Du weißt, manchmal erreichst Du noch nicht mal das Mindestmaß. Manchmal bist Du so leer, so träge und faul, dass Du Dir noch nicht mal mehr einen runterholen willst.

Und während Du da hockst, allen Blicken bloßgestellt inmitten von bestialisch stinkender Scheiße…lässt Du los.

Du akzeptierst. Du fällst. Du stirbst.

Nichts. Du bist im Nichts. Leere. Stille.

Keine Forderungen. Kein Müssen. Die Stimmen halten die Schnauze. Die Listen existieren nicht mehr. Kein Druck.

Du schaust dem Tod ins Antlitz.

Klarheit. Freiheit. Unendlich. Unendlich.

Und Du tauchst auf. Und Du holst so tief Luft wie noch nie zuvor in Deinem Leben. Du bist da. Voll. Ganz. Präsent.

Mit dem Atem fließt Kraft in Dich und sammelt sich zu einem Orkan unsäglicher alles vernichtender Wut. Du richtest Dich auf. Eine einzige kraftvolle Bewegung. Und Deine zum Bersten gefüllten Lungen entleeren sich mit der ganzen Dir innewohnenden Kraft, als würdest Du Deinen größten ärgsten schlimmsten Feind auf dem Schlachtfeld enthaupten. Dein Bauch ist nun weich. Deine Schultern gestrafft. Dein Blick ist klar. Du ziehst Deine Schuhe aus und wirfst sie kraftvoll in den nächsten Mülleimer. Und lachst. Lachst aus tiefstem Herzen. Du hast dem Tod ins Auge gesehen und Deine Feinde besiegt. Und Du bist bereit Dich dem Kampf auf´s Neue zu stellen. Du spürst Deine Größe. Deine Kraft. Deine Klarheit. Du weißt, tief in Dir, Du kannst es mit allem aufnehmen. Du hältst inne und genießt diese Wahrheit, spürst sie in jeder Zelle, während Du das einzigartige Blau des Himmels, welches sich Dir so vollendet wie in diesem Moment nie wieder anbieten wird, erblickst, verehrst und Dich bedankst für diese Fülle. Denn Du kennst den Tod. Du weißt auch dieser Moment wird vergehen. Und Du wirst ihn nicht vergeuden.

Du drehst Dich um und die Schöne schaut Dir tief in die Augen bis in Dein wundervolles Herz und schenkt Dir ihr schönstes Lächeln.

Du gehst glückselig, beschwingt und kraftvoll Deinen Weg. Du kennst Dein Ziel und verfolgst es unerbittlich. Du wirst Schuhe, Hose und Unterhose jagen. Und Du wirst siegreich heimkehren. Das entspannte Lächeln wohnt den ganzen Tag in Deinem Gesicht und Du erblickst, atmest die Welt, Deine Welt, als wäre sie Deine teure Geliebte, die Du endlich, endlich wieder siehst.

In Liebe,

Katja Wolf

Wer mehr zu meiner Arbeit erfahren möchte, schaut gern auf meine Webseite:

www.tantrahealingberlin.de